AOI: Feinrechen für 1,2 Millionen Euro

Kläranlage Thanners wird erweitert

Für rund 1,2 Millionen Euro will der Abwasserverband Obere Iller (AOI) die Kläranlage in Immenstadt-Thanners um einen Feinrechen erweitern. So lautet ein Beschluss der elf Oberallgäuer Städte und Gemeinden, die in dem Verband zusammengeschlossen sind. Der neue Rechen wurde nötig, weil die Menge an „Feststoffen“ im Abwasser zugenommen hat, so die Technische Betriebsleiterin auf der Kläranlage, Frau Juliane Thamm.

Bisher erfolgte die mechanische Reinigung mit einem „Grobrechen“, dessen Stäbe einen Abstand zwischen 10 und 20 Millimeter aufweisen. Durch die vergleichsweise großen Lücken werden die „Störstoffe“ laut Frau Thamm nur unzureichend aus dem Wasser entfernt. Für ein besseres Ergebnis soll jetzt der Feinrechen sorgen, dessen Stäbe nur noch vier Millimeter auseinanderliegen. Besonders problematische „Feststoffe“ sind feuchtes Toilettenpapier oder auch andere Feuchttücher, die sich schlecht zersetzen und zu Verstopfungen führen (s. dazu gesonderten Artikel).

Mit dem neuen Rechen können die Kosten für die Beseitigung von Störungen und Schäden „deutlich“ reduziert werden, betont die Technische Betriebsleiterin. Für den Feinrechen muss eine neue Halle aus Stahl gebaut werden. Sie beherbergt neben der Rechenanlage auch eine Rechengutwaschanlage, die Rechengutverladung in Container und einen Raum für die notwendige Elektro-Technik.

Im nächsten Jahr sollen die Planung des Um- und Neubaus sowie die Ausschreibung der verschiedenen Gewerke erfolgen. Gebaut wird dann in den Jahren 2019 und 2020. Erfreulich, so Frau Thamm: Die Bauarbeiten könnten ohne Probleme parallel zum laufenden Betrieb stattfinden. Weniger erfreulich: Die Millioneninvestition werde auch die Verbandsumlage und im nächsten Schritt die Abwassergebühren steigen lassen.

Weitere Informationen bei Juliane Thamm, Technische Betriebsleiterin Kläranlage, AOI, Telefon: 08323/9615-11 E-Mail: juliane.thamm@aoi.de

Feinrechen

Der Feinrechen erfasst mehr Störstoffe: Sie werden über eine Art Laufband abtransportiert, während das grob gereinigte Wasser auf gleicher Ebene weiterfließt zur nächsten Reinigungsstufe oder „zum Vorklärbecken“.

Foto: Muster Feinrechen

Feuchttücher gehören nicht in die Toilette

Probleme durch Verstopfungen

Sie sind feucht und sie sind sicher – sprich reißfest. Und das ist der Grund, warum Siegfried Zengerle, Geschäftsführer des AOI, feuchte Toilettenpapiere nicht mag. Zumindest nicht in der Kloschüssel. Denn die Hygienetücher aus einem Viskose-Kunstfaser-Gemisch lösen sich nicht wie herkömmliches Toilettenpapier im Wasser auf. Sie können deshalb nicht nur im hauseigenen Abwassersystem für Probleme sorgen, sondern auch in der Kläranlage. Problematisch sind übrigens auch feuchte Waschlappen und feuchte Allzwecktücher.

Die Experten betrachten die feuchten Vliestücher als „Störstoffe“: Sie führen zu großflächigen „Verzopfungen“ und Ablagerungen. Dadurch werden Rohrleitungen verstopft, Pumpen oder Zentrifugen können Schäden davontragen. Außerdem werden wichtige Messgeräte mit dem widerstandsfähigen Material belegt.

Doch damit nicht genug: Letztendlich gelangen die Störstoffe in den Faulturm und führen zu einer Versottung des Turms. Das schlägt sich laut Zengerle „in geringen Gaserträgen und hohen Unterhaltsaufwendungen“ nieder. Aktuell bedeutet das: Der Abwasserverband Obere Iller muss in einen neuen Feinrechen investieren und den Faulturm säubern lassen. Kosten: über 1,6 Millionen Euro – s. dazu auch gesonderte Berichte.

 

AOI: Erst trocken, dann feucht

„Feuchtes Klopapier im Klo macht keine Kläranlage froh!“ Ein Spruch von Florian für die Aktion „Reimscheisser“ der Dresdner Stadtentwässerung.

Wer das trotzdem macht, verstößt sogar gegen das Gesetz: Das Wasserhaushaltsgesetz und das Kreislaufwirtschaftsgesetz verbieten es, Abfälle über das Abwasser zu entsorgen.

Doch wohin mit den feuchten Tüchern? „Benutzte Vliesprodukte gehören in den Hausmüll“, sagt Felix Poetschke, Sprecher des Umweltbundesamts (UBA).

AOI-Tipp: Erst trocken, dann feucht wischen. Der Kosmetikeimer sollte praktischerweise neben der Toilette stehen.

Und die Hersteller? Laut „Zeit online“ ist inzwischen den großen Zulieferern von Hygiene-Spezialfasern der scheinbar unmögliche Kompromiss gelungen: kurzfaserige Feuchttücher zu entwickeln, die fest in der Hand liegen, sich aber im Abwasser binnen einer Stunde zu 95 Prozent mechanisch auflösen.

Weitere Informationen bei Geschäftsleiter Siegfried Zengerle, AOI, Telefon: 08321/6622-11, E-Mail: siegfried.zengerle@aoi.de

Feuchttücher

 

Trocken oder feucht? Die Vliestücher gehören jedenfalls nicht in die Toilette.

Foto: Veronika Krull

AOI: Faulturm wird gereinigt

Die Kosten belaufen sich auf 433.000 Euro

Nach sechs Jahren steht sie wieder an: die Reinigung des so genannten Faulturms in der Kläranlage Immenstadt-Thanners. Im nächsten Jahr soll der Behälter für rund 433.000 Euro gereinigt werden, beschlossen die Mitglieder des Abwasserverbandes Obere Iller (AOI). Durch den geplanten Einbau des Feinrechens (s. Extra-Bericht) wird diese Reinigung künftig nur noch alle zehn bis zwanzig Jahre nötig werden, erklärte die Technische Betriebsleiterin Juliane Thamm.

Der Faulturm, in dem der Faulschlamm in Gas umgewandelt wird, ist bereits vor einem Jahr untersucht worden. Bei einer Pilottauchung wurden die Ablagerungen digital vermessen. Fazit: Im Turm befinden sich rund tausend Kubikmeter an Feststoffen, die dort nicht hineingehören. „Damit“, so Frau Thamm, „ist das Faulraumvolumen um etwa ein Viertel reduziert.“ Das wiederum hat zur Folge, dass der Faulschlamm nur noch ungenügend in Klärgas umgesetzt wird. Das Gas wird in zwei Blockheizkraftwerken verbrannt und deckt nach Auskunft der Technischen Betriebsleiterin den Stromverbrauch der Kläranlage zu etwa 70 Prozent ab.

Eine spezielle Tauchfirma wird die Ablagerungen in zwei Etappen beseitigen. Die ausgeräumten Stoffe werden danach über eine mobile Presse entwässert und anschließend entsorgt. Die Reinigungsarbeiten zu verschieben, wäre keine gute Lösung, sagte Juliane Thamm auf der Verbandsversammlung. Denn die „Versottung“ werde weiter zunehmen und nach und nach zu einer Reduktion der Gasproduktion führen. Dann müsste Strom zugekauft werden. Im Falle eines Totalschadens würden zudem „immense Kosten“ entstehen. Täglich müssten dann 150 Kubikmeter Schlamm entsorgt werden, der Strom würde zu 100 Prozent von außen bezogen.

In den Kosten für die Reinigung des Faulbehälters sind die Einsätze der Tauchfirma, die Entwässerung und die Entsorgung der Ablagerungen enthalten. Einkalkuliert wurden auch die 88.000 Euro für den „Fremd-strom“ - denn während der Reinigungsarbeiten wird zweimal zwei Wochen lang kein Gas hergestellt.

Weitere Informationen bei Juliane Thamm, Technische Betriebsleiterin Kläranlage, AOI, Telefon: 08323/9615-11 E-Mail: juliane.thamm@aoi.de

Faulturm

Das Bild zeigt rechts den Faulturm auf der Kläranlage neben dem Betriebsgebäude

Foto: AOI